Ist Facebook “schwarz-gefahren“?

Letzte Woche in Kalifornien, U.S.A.: Anwälte des Internet Unternehmens Yahoo reichten tatsächlich eine Patent-Klage gegen den Internet-Riesen Facebook (etwa 850 Millionen Nutzer) ein.

Yahoo, einer der bedeutungsvollsten Wegbereitern zu Anfängen des Internets (nach Angaben z.Zt. ca. 700 Millionen User), hatte bereits zwei Wochen zuvor in der Öffentlichkeit damit gedroht. Tatsächlich wurde die Warnung  gegen das in den letzten Jahren viel schneller wachsende Facebook vorzugehen, wahrgemacht.

Der Inhalt der Klageschrift: Patentverletzung. Die Betreiber des zehn Jahre jüngeren Facebook sollen über viele Jahre Technologien benutzt haben, die aber von Yahoo entwickelt wurden. Viele fundamentale Funktionen eines „Sozial Networks“, hätten die Facebook-Betreiber von Yahoo kopiert. Beispiele hierfür sind z.B.: Das Verschicken und die Anzeige und Kommentierung von Nachrichten.

Es soll um 10 spezielle Verletzungen von Patenten gehen. Fast alle Patente in der aktuellen Klage gegen Facebook sind relativ neu und resultieren aus den Jahren 2005 bis 2010.
Yahoo wird von der Anwaltsfirma Quinn Emanuel vertreten. Quinn Emanuel gilt als eine der renommiertesten Kanzleien in den USA.  Mit über 600 Anwälten in acht Büros ist sie weltweit die größte Anwaltssozietät, deren Tätigkeit ausschließlich auf diesen Bereich des Rechtsstreites,  fokussiert ist. Zu den Mandanten von Quinn Emanuel zählen führende Technologieunternehmen wie Google, IBM, Cisco, Roche, Symantec, Johnson & Johnson, Samsung, SONY und viele andere.

Da im Unternehmen die gewünschten Gewinne zurückgehen, versucht der Yahoo-Konzernchef Scott Thompson, der seinen Job erst am Jahresanfang angetreten hatte, wohl das Ruder auf diese Art rumzureißen. Nach dem Austausch von etlichen hohen internen Yahoo-Bossen war die Patenklage nun der zweite Streich. Ob er damit Yahoo aus der Schieflage befreit?

Jetzt, kurz vor dem Börsengang des weltweit größten Internet-Giganten, der im Sommer stattfinden soll, ist die Klage für Facebook natürlich eine sehr unschöne Geschichte, da Investoren verunsichert werden könnten. Für mögliche Vergleichs-Verhandlungen hat Yahoo den Zeitpunkt natürlich sehr günstig gewählt. Beide Konzerne stehen in Konkurrenz,  verdienen schließlich durch das Online-Marketing mit den Werbe-Anzeigen Millionen von Dollars. Und Yahoo hat durch Facebook  Werbekunden verloren. Eine Facebook-Sprecherin allerdings zeigte sich verstimmt, dass Yahoo so interveniert. Ihrer Meinung nach  hat Yahoo doch auch selbst von Facebook` s Erfolg  profitiert.

Im Hinblick dieser Klage ist es auch interessant, dass Yahoo vor dem Börsengang von Google 2004 das Unternehmen “Overture“ kaufte, einen Experten im Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Dieses Unternehmen klagte damals gegen Google. Das Ergebnis fiel für Yahoo sehr positiv aus, es erhielt 2,7 Millionen Google-Aktien, die nach Börsengang wenig später bereits einen Wert von ca. 230 Millionen Dollar hatten. Zum heutigen Aktienkurs wären es sogar 1,6 Milliarden Dollar.

Facebook `s Börsengang aber wird nach jetzigen Planungen wohl noch deutlich größer sein, als der von Google. Nach bisherigen Plänen wird Facebook nach der Aktienplatzierung ca. fünf Milliarden Dollar einnehmen. Die konkreten Zahlen werden spannend erwartet. Aber schon seit vielen Monaten wird ein angepeilter Börsenwert  von bis zu 100 Milliarden Dollar prophezeit. Die Summe des geforderten Schadensersatzes in Sachen Yahoo gegen Facebook ist noch nicht bekannt.

Man wird sehen, wie sich der ganze Vorgang entwickelt. Die Beweisführung über den „Ideen-Diebstahl“ wird interessant. Ein endgültiges Wort werden letztlich dann die amerikanischen Anwälte sprechen.

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  1. Norbert Klafack

    4. April 2012 — 18:54

    Sehr interessanter Artikel. Bin gespannt, ob Google da einige von ihren Millionen wieder los wird. Aber von amerikanischen Gerichten hört man ja, dass sie immer sehr großzügig sind. Naja, wird aber Goggle ja nicht weh tun, die sind ja wirtschaftlich recht gut aufgestellt.

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